Luigi Dallapiccola
(1904 -1975)
Karl Amadeus Hartmann
(1905 -1963)
Wolfgang von Schweinitz
(*1953)
Luigi Dallapiccolas hier vorgestellte Liedzyklen gehören zu den großen Kostbarkeiten des Lieds aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, in denen sich der Übergang von der Klassischen Moderne zur erneuerten Avantgarde der 1950er Jahre vollzieht. Mit den "Quattro Liriche" von Antonio Machado y Ruiz vertonte der Komponist vier Gedichte bzw. Passagen aus dessen Hauptwerk "Campos de Castilla" (1912), die Kernthemen Machados wiedergeben: die unmittelbare und zugleich metaphorisch überhöhte Beschwörung von Landschaft und Natur, die Unbehaustheit des Menschen, Trauer und Verlust der Geliebten und - refrainartig am Ende - die Ergebung in den unbegreiflichen, wie ein fremdes Wunder erscheinenden Lauf der Welt. Den Text für "Rencesvals" entnahm Dallapiccola dem um 1180 entstandenen altfranzösischen Rolandslied. Dallapiccola und Karl Amadeus Hartmann waren einander durch politische wie künstlerische Erfahrungen und Überzeugungen verbunden und pflegten nach 1945 ein enge Freundschaft. Das "Lamento" beruht auf drei Solosätzen der "Kleinen Kantate Frieden Anno 48" für Sopransolo, gemischten Chor und Klavier von 1936/37. Den tief berührenden Sonetten von Andreas Gryphius, aus denen das Elend des Dreißigjährigen Kriegs, die Seelennot und das unendliche Leid der Menschen spricht, verleiht Hartmann einen ebenso dramatischen wie innigen musikalischen Ausdruck. Für seinen Zyklus "Papiersterne" entnahm Wolfgang von Schweinitz 15 Gedichte aus Sarah Kirschs Gedichtband "Drachensteigen". Mit der konsequenten Anwendung und Variation klanglicher Zellen und rhythmisch-metrischer Muster vermag er die widerborstig-versonnenen Gedichte kongenial zu verklanglichen.
Werke dieser CD und ihre Interpreten
Dallapiccola:
Quattro liriche di Antonio Machado (1948) Mojca
Erdmann Axel Bauni Details
Dallapiccola:
Rencesvals (1946) Dietrich Henschel Axel
Bauni Details
Hartmann:
Lamento (1936/37, rev. 1955) Claudia Barainsky
Axel Bauni Details
von Schweinitz:
Papiersterne op. 20 (1981) Doris Soffel Aribert
Reimann Details
Biographien der Künstler
wurde in Berlin geboren und studierte Gesang an der dortigen Hochschule der Künste bei Ingrid Figur. Ausserdem belegte sie Meisterkurse bei Dietrich Fischer-Dieskau und Aribert Reimann. Sie gastiert an allen bedeutenden Opern- und Konzerthäusern und ist gefragter Gast in den Zentren zeitgenössischer Musik. So konzertierte sie mit dem Klangforum Wien, dem Ensemble Modern und dem Ensemble Intercontemporain. Ihr grosses Interesse gilt dem Lied. Sie gibt regelmässig Liederabende, die sie mit dem Repertoire des 20. Jahrhunderts bereichert. Zahlreiche Rundfunk-, Film- und CD–Aufnahmen dokumentieren Claudia Barainskys breites künstlerisches Profil. In der edition zeitgenössisches lied ist sie mit Liedern von Prokofjew, Reimann, Szymanowski und Webern zu hören.
gewann 2002 beim Bundeswettbewerb Gesang den ersten Preis sowie den Sonderpreis für zeitgenössische Musik. 2005 wurde sie im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festival mit dem NDR-Musikpreis sowie im Rahmen des Kissinger Sommers mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Bis 2005 gehörte sie dem Ensemble der Komischen Oper Berlin an. 2006 debütierte sie bei den Salzburger Festspielen in der Titelrolle von Mozarts Singspielfragment "Zaide" unter der Leitung von Ivor Bolton. Sie arbeitet mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Nikolaus Harnoncourt, Kent Nagano und Helmuth Rilling zusammen, gastiert an wichtigen deutschen Bühnen und gab Liederabende in Berlin, Hamburg, Freiburg, Peking und beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Auf dem Gebiet der Neuen Musik widmet sie sich insbesondere den Werken Wolfgang Rihms und Aribert Reimanns.
startete ihre internationale Karriere aus dem Ensemble des Württembergischen Staatstheaters heraus und ist heute eine gefragte Wagner-Sängerin, die an den wichtigen Operhäusern Europas und den USA gastiert. Ebenso hohes Ansehen genießt die Künstlerin als Konzert- und Liedsängerin; sie wurde in Köln mit dem Titel Kammersängerin geehrt. Gemeinsam mit Aribert Reimann hat sie 1981 bei den Berliner Festwochen den Zyklus "Papiersterne" von Wolfgang von Schweinitz uraufgeführt.
Der gebürtige Berliner erhielt seine Ausbildung bei Hanno Blaschke und in der Meisterklasse von Dietrich Fischer-Dieskau. Seine internationale Karriere wurde eingeleitet durch die kurz aufeinanderfolgenden Produktionen von Henzes "Der Prinz von Homburg" an der Deutschen Oper Berlin und Busonis "Doktor Faustus" an der Opéra National de Lyon, jeweils in den Titelpartien. Er singt heute ein weitgefächertes Repertoire von Monteverdi über Mozart, Wagner und Strauss bis zur Oper des 20sten Jahrhunderts. Seit jeher gilt sein besonderes Interesse dem Lied- und Konzertgesang; seine ständigen Partner am Klavier sind Irwin Gage, Fritz Schwinghammer, Helmut Deutsch und Shinya Okahara, mit dem er regelmäßig Tourneen nach Japan unternimmt. In der edition zeitgenössisches lied ist er mit Liedern von Dessau und Eisler zu hören.
geboren in Ludwigshafen am Rhein, studierte an der Musikhochschule Mannheim/Heidelberg und an der Hochschule der Künste Berlin. Der Besuch der Liedinterpretationskurse bei Dietrich Fischer-Dieskau und Aribert Reimann legte den Grundstein zukünftiger Zusammenarbeit. Sein spezielles Interesse gilt dem Lied des 20. Jahrhunderts; er hat zahlreiche Liedzyklen und Klavierwerke uraufgeführt. Gemeinsam mit Aribert Reimann gibt er die "edition zeitgenössisches lied" bei ORFEO heraus. Heute leitet er als Professor an der Universität der Künste Berlin eine eigene Liedklasse.
ist als Komponist wie ausübender Künstler gleichermaßen erfolgreich. Die kreative Begabung des gebürtigen Berliners zeigte sich bereits früh: Als Zehnjähriger komponierte er seine ersten Klavierlieder. Nach dem Abitur studierte er bei Boris Blacher und Ernst Pepping. Er begann seine Laufbahn als Pianist - vor allem als Liedbegleiter - und ist diesem Metier in Praxis und Lehre - ab 1974 als Professor für zeitgenössisches Lied an der Hamburger Musikhochschule, seit 1983 an der Berliner Hochschule der Künste - neben seiner schöpferischen Tätigkeit treu geblieben. Mit Dietrich Fischer-Dieskau hat Aribert Reimann vor allem Lieder des 20. Jahrhunderts, darunter viele eigenen Werke, aufgeführt.