Aribert Reimann (*1936)
wurde in Berlin geboren. Der Student Boris Blachers hatte bereits Ende der
50er Jahre die Chance, mit großen Sängerpersönlichkeiten wie
Dietrich Fischer-Dieskau, Ernst Haefliger, Elisabeth Grümmer, Catherine
Gayer oder Barry McDaniel zu arbeiten, die auch Liedkompositionen von ihm erbaten.
Die hier zum ersten Mal auf einer CD gesammelt veröffentlichten Aufnahmen
mag man guten Gewissens schon "historisch" nennen. Geschichte in sich
tragen sie durchaus in mehrfachem Sinne, bilden sie nicht nur ein Dokument der
fruchtbaren Zusammenarbeit des Pianisten Aribert Reimann mit den ihm künstlerisch
nahe stehenden Sängern, sondern spiegeln sie doch vor allem die Entwicklung
des "Lied-Komponisten Reimann".
Rückblickend auf die letzten Jahrzehnte kann man wohl jetzt ohne Übertreibung
feststellen: Diese Liederzyklen sind Meilensteine der Gattung überhaupt.
Werke dieser CD und ihre Interpreten
Nachtstück I (Text
Joseph von Eichendorff)
für Bariton und Klavier (1966) Barry
Mc Daniel Aribert Reimann Details
Engführung (Text Paul
Celan)
für Tenor und Klavier (1967) Ernst
Haefliger Aribert Reimann Details
Six Poems by Sylvia Plath
(Text Sylvia Plath)
for Soprano and Piano (1975) Catherine
Gayer Aribert Reimann Details
Nachtstück II (Text
Joseph von Eichendorff)
für Bariton und Klavier (1966) Barry
Mc Daniel Aribert Reimann Details
Biographien der Künstler
Die amerikanische Sopranistin strebte zunächst eine Karriere als Instrumentalistin an: In ihrer Heimatstadt Los Angeles studierte sie Violine und Musikwissenschaft und wirkte als Konzertmeisterin im Orchester ihrer Universität mit. 1960 gewann sie einen Gesangswettbewerb in San Francisco und erhielt ein Fulbright-Stipendium, das ihr die Fortsetzung ihrer Studien an der Berliner Musikhochschule ermöglichte. Im darauffolgenden Jahr trat sie in der Uraufführung von Luigi Nonos Oper "Intolleranza 60" auf - in einer eigens für sie geschriebenen Rolle. Die Kammersängerin war 40 Jahre festes Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin und gastierte in allen bedeutenden Opernhäusern Europas sowie bei den Salzburger Festspielen. Von besonderer Bedeutung ist ihre Zusammenarbeit mit Aribert Reimann, der sie nicht nur häufig als Pianist bei Liederabenden begleitete, sondern darüberhinaus seine Oper "Melusine" für sie komponierte, die 1971 bei den Schwetzinger Festspielen aufgeführt wurde.
Die Weltkarriere Ernst Haefligers nahm ihren Anfang 1949 bei den Salzburger Festspielen: Der Dirigent Ferenc Fricsay hatte den Schweizer Tenor entdeckt und in der Uraufführung von Carl Orffs Oper "Antigonae" mit der Rolle des Tiresias' betreut. Der Sänger, der bei Fernando Carpi und Julius Patzak studiert hatte, kam vom Züricher Stadttheater 1952 als lyrischer Tenor an die Deutsche Oper Berlin, wo er vor allem in Mozart-Partien große Erfolge feierte. Neben weltweiten Opernengagements bildete jedoch das Oratorium und das Lied einen wichtigen Schwerpunkt in Haefligers sängerischem Leben. Mit dem Bach-Dirigenten Karl Richter verband ihn eine fruchtbare künstlerische Zusammenarbeit. Er war Richters bevorzugter Evangelist. Insbesondere Haefligers USA-Tourneen, zu deren herausragenden Stationen die Avery Fisher Hall und die Carnegie Hall in New York zählten, waren Aufführungen der Passionen Bachs gewidmet. Als Liedsänger interpretierte er vor allem die Zyklen Franz Schuberts und Gustav Mahlers "Lied von der Erde". Seit 1971 ist der Leiter zahlreicher Meisterklassen Professor an der Münchener Musikhochschule.
Der amerikanische Bariton stammt aus Lyndon, Kansas. Sein Studium an der Juilliard School in New York konnte er als Fulbright-Stipendiat in Stuttgart bei Alfred Paulus und Hermann Reutter vervollkommnen. Als McDaniel zu den amerikanischen Streitkräften einberufen wurde, war er bevorzugter Vokalsolist beim Armee-Symphonieorchester, was seiner kommenden Sängerkarriere nicht im Wege stehen sollte. Nach Engagements an die Opernhäuser in Stuttgart und Karlsruhe wechselte er 1962 an die Deutsche Oper Berlin und feierte hier als langjähriges Ensemblemitglied bis 1999 in über 1800 Aufführungen große Erfolge. Der Kammersänger gastierte darüberhinaus weltweit an so bedeutenden Bühnen wie der Metropolitan Opera, der Wiener und Münchener Staatsoper sowie bei den Salzburger Festspielen. Als Interpret zeitgenössischer Werke setzte er mit Uraufführungen wie Hans Werner Henzes "Der junge Lord" (1965) oder Aribert Reimanns "Melusine" (1971) Akzente. In seinen Liederabenden wurde er von Pianisten wie Sir William Glock, Hertha Klust, Ernest Lush, André Previn, Aribert Reimann, Hermann Reutter und Robert Spillmann begleitet.
ist als Komponist wie ausübender Künstler gleichermaßen erfolgreich. Die kreative Begabung des gebürtigen Berliners zeigte sich bereits früh: Als Zehnjähriger komponierte er seine ersten Klavierlieder. Nach dem Abitur studierte er bei Boris Blacher und Ernst Pepping. Er begann seine Laufbahn als Pianist - vor allem als Liedbegleiter - und ist diesem Metier in Praxis und Lehre - ab 1974 als Professor für zeitgenössisches Lied an der Hamburger Musikhochschule, seit 1983 an der Berliner Hochschule der Künste - neben seiner schöpferischen Tätigkeit treu geblieben. Mit Dietrich Fischer-Dieskau hat Aribert Reimann vor allem Lieder des 20. Jahrhunderts, darunter viele eigenen Werke, aufgeführt.